Versprochen. Heute keine Wortspiele. Wir sind sehr froh, dass die Band dies im Jahr 2014 selbst erledigt hat und vor dem Namen Beatbouletten bewahrt werden konnte. Politisch korrekt sein, sich selbst nicht so ernst nehmen und Texte aus dem Leben gegriffen – so beschreibt Sängerin Sylli die Band.
Die Crew
Lok-Micha – Bass: Gründer und letztes verbliebenes Gründungsmitglied, Bj.1965, aufgewachsen in Ost-Berlin. Spielt auch bei NanteAntinix.
Pitty – Gitarre: Bj.1965, hat ca. 2018 Christoph abgelöst. War früher bei: Bunte Trümmer, Swindlers, Bad AI! und Restroxxx zu hören.
Mitja – Trommelschlumpf: Bj. 1977, aufgewachsen in der Platte, Ost-Berlin. Hat Steffi (ex Beatsteaks) 2018 abgelöst. Früher bei R(A)infall (mit „Anarcho A“), Kraft durch Suppe, Uppercuts, Fickende Turnschuhe, derzeit noch bei „OT-Sauloch“ aktiv.
Sylke – Gesang: Seit Mai 2024 dabei.
„Hi ich bin Silly, eingesprungen unter Vorbehalt, als die bis dato Sängerin Sahra sich verabschiedet hat. Ich hatte nie die Idee auf einer Bühne zu stehen, aber Micha, der Bassist und mein Mann hat mich überredet. Dann bin ich einfach mal mit zur Probe. Gemeinsam Mucke zu machen, war so cool und hat allen so Spaß gemacht, dass ich wiederkommen wollte – bis heute. Meine Vorerfahrung beruht lediglich auf Singen unter der Dusche und regelmäßigen Besuchen von Konzerten, wo ordentlich mitgegrölt wird. Mein Baujahr…lass`ich mal weg, will doch keiner wissen!“

Bandgeschichte
Micha: Gegründet wurde die Band 2014 von mir und dem damaligen Schlagzeuger Struppi. Wir saßen im Noisy, da gabs Proberäume zum stundenweise mieten und überlegten, welchen Namen wir uns geben könnten. Da wir große Fans und Freunde von den Beatsteaks sind, waberte sowas wie Beatbouletten durch den Raum. Nebenan saß eine junge Frau, die wir vorher angesprochen hatten, ob sie nicht Gitarre bei uns spielen will. Sie spielte aber Bass, was uns nix nützte. Sie hörte unsere Diskussion und meinte Bouletzz ist doch schön. Fanden wir auch. Struppi hatte die Idee, wir müssten uns mit Doppel“z“ schreiben. Sieht besser aus. Da hatte er recht – und der Name war geboren.
Unser Stil ist melodischer Punkrock (Mädchenpunk wie ich immer so schön sage). Man fängt als Band immer irgendwie mit covern an, weil man seine Lieblingsstücke mal selber spielen will. Irgendwann ist das dann nicht mehr genug und man beginnt, eigene Texte zu schreiben und hat genauso viel Spaß. Mit Sylke am Gesang kommen unsere Einflüsse von Bands wie „Nichts“, Hansa-A-Plast und dazu ein Spritzer Nina Hagen.
Wie seid ihr im wilden Osten zum Punkrock gekommen?
Sylli: Ich bin groß geworden inmitten einer bunten Mischung aller Couleur, was die Einstellungen, Menschlichkeit, Parteizugehörigkeit und Systemtreue (oder auch nicht) betraf. Meine Eltern waren gegen das System der DDR, hatten viele Jahre einen Ausreiseantrag zu laufen, haben die ständige Vertretung besetzt. Mein Vater war in der Kirche mit einem Minijob angestellt und hat anders Schwarzkohle heimgebracht. Ich hab nicht schlecht gelebt in der DDR, hatte ein echt gutes, aufgeschlossenes und akzeptierendes, nicht verurteilendes Umfeld, auch in der Schule. Musikalisch war für mich alles cool, was nicht gern gesehen war, also Punkrock und für mich speziell DAILY TERROR. Alle Kumpels haben Hosen und Ärzte gehört, das war mir zu langweilig. Ich mochte es rotziger.
Ich durfte „dagegen“ sein, wogegen auch immer. Das war in der Pubertät nicht immer einfach, weil es auch langweilig ist, wenn man alles darf. Also war ich immer gezwungen, viel zu hinterfragen – im System damals und auch im System heute. Überall gabs und gibts gute Seiten, die ich heute vermisse oder auch heute nicht haben möchte. Ich war nie „no future“ oder „gegen alles“ oder „gegen das System“. Das war mir immer zu einfach und wenig übern Tellerrand geschaut. Also mach ich Texte aus Situationen heraus, die ich erlebe; im beruflichen, privaten oder Partykontext. Manchmal hab ich auch einfach nur`n Flitz im Kopf, woraus dann ein Text entsteht. Irgendwie alles nicht wirklich wild…aber eben ich.

Micha: Ich war 12. Mein Bruder 3 Jahre älter. Er brachte Kassetten aus der Schule mit, wo so Sexpistols etc. drauf waren. Wir schreiben das Jahr 1978. AC/DC noch ganz groß für mich mit Bon Scott. Gary Glitter, Sweet, Slade und Queen waren meine Favoriten. Und dann kam Punk.
Ich wollte immer Schlagzeug spielen, hatte aber nie die Gelegenheit gehabt, das auch mal zu machen. Mit Ende 40 habe ich mir einen billigen Bass gekauft und einen Kurs in der VHS belegt. Ich wollte zu meinem 50. Geburtstag meinen ersten Auftritt machen. Hat dann auch geklappt.
Mitja: Bei mir fiel das Gefühlschaos der Pubertät direkt mit der Wende in der DDR zusammen. Meine Eltern waren stramme SED-ler gewesen und auf einmal war alles, was vorher richtig war, falsch. Das hat mich voll überfordert und ich hab starke Depressionen bekommen. Allerdings gab es darauf zu Hause immer nur die Antwort: „Hab dich nicht so!“. Mein Vater war arbeitslos, den ganzen Tag zu Hause und hatte schlechte Laune („Wenn ich nach Hause komme, sitzt da so’n alter Typ, der sagt er wär mein Vater und ich glaub auch, dass er’s ist….“).
Ich bin klassisch über „Ärzte“ und „Hosen“ zum Deutschpunk gekommen. Die ganzen englischen Originale von den „Lokalmatadore“ und „Becks Pistols“ Songs und den „Hosen“ Coverversionen auf „Learning english“ kannte ich früher alle gar nicht. Ich hab mich viel draußen rumgetrieben und irgendwann ne Punk Clique kennengelernt. Und ab da hatte das Leben wieder einen Sinn für mich. Ich hab darüber auch nen Text namens „Punkrock saved my life“ geschrieben, der immer noch darauf wartet, vertont zu werden. Irgendwann wird es sicher soweit sein.

Zur Musik gekommen: Es waren die „Baseballschläger-Jahre“ Anfang der 90er in Ostberlin/Ostdeutschland und der Senat hatte dann irgendwann den Plan, dass es besser ist, wenn die Jugendlichen ihre Langeweile damit verbringen, Musik zu machen, statt sich die Köpfe einzuhauen. Etliche Jugendclubs wurden daraufhin mit Proberäumen ausgestattet und Semi-Profis als Musiklehrer eingestellt.
Da hab ich 1993 mit 15 Jahren angefangen, Gitarre und Schlagzeug zu lernen. Ich habe schnell gemerkt, dass beides gleichzeitig zu viel wird und gedacht, Gitarre spielen ja alle. Also habe ich mich dazu entschieden, beim Schlagzeug zu bleiben.
Übrigens sind durch diese geförderten Proberäume auch jede Menge Nazi-Bands in Ostberlin entstanden.
LiLo: Manchmal ist es glaub ich ganz schön anstrengend für die Bands. Also mit mir. Da will ich hier noch n Text und noch n Foto; dort noch ne Story und natürlich den Link zu „diesem einen“ Song…. Und jetzt kommts: Diesmal wurde extra „für mich“ einen Youtube Kanal erstellt. 😉 Voller Dankbarkeit und Stolz präsentiere ich Euch nun folgenden Song:
„Das hatten wir doch schon“.
Live im Freiraum/Berlin 26.1.26
Ich geh durch die Vorstadt im Dunkeln der Nacht, die Augen weit auf meine Angst ist erwacht. Komische Gestalten, die Zeichen an den Wänden, die Parolen die ihr ruft, vom Hass euch blenden.
Habt ihr nichts kapiert, Wollt ihr es nicht seh’n. Wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt geh’n?
Sie tun sich zusammen, wohnen mit uns Wand an Wand, leben unter uns und werden nicht erkannt. Gebt ihnen keinen Raum, ihre Lügen zu verbreiten, ihren Hass zu säen und andere zu verleiten.
Habt ihr nichts kapiert? Wollt ihr es nicht sehen, wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt gehen?
Die Angst geht um, all das hatten wir doch schon, wieder sagt keiner was, keiner stellt sich nach vorn. Drum steht jetzt mit uns auf, und schreit es laut heraus, euch rechtes Gesindel schmeißen wir jetzt raus.
Habt ihrs endlich kapiert, könnt ihr es jetzt sehn, wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt gehn!?
In einer Welt voller Mitläufer und Narren, blind gehorchend, ohne zu hinterfragen. Von der Masse getragen, von der Macht verführt, niemals was gesagt, keinen Finger gerührt.
LiLo: Welcher Song bedeutet Dir/Euch am meisten?
Sylli: Unser neuester: ADHS. Eingefallen ist der mir nachts um 3 Uhr. Scheinbar geht Mittwochs nach der Probe bei mir im Kopf die ADHS- Lampe an und ich habe soviel Texte und Melodien im Kopf, dass ich nicht mehr schlafen kann. Also schnapp ich mir dann das Handy und quatsche oder singe lauter Textnachrichten hinein, weil ich mich am nächsten Tag daran nicht mehr erinnern kann.

Textauszug „ADHS“
Ein Sturm in meinem Kopf, der niemals ruht, Gedanken rasen, schneller als mein Blut. Chaos Ordnung, ein ewiger Kampf, Stille und Ruhe, für mich stets ein Kampf.
ADHS! Es ist Krieg in meinem Kopf, ein Feuer, das brennt und niemals stoppt, die ganze Nacht , den ganzen TAg, ein ewiger Kampf, den keiner mag.
Die Welt da draußen, dreht sich sacht, doch in mir, da tobt die Schlacht. Kann mich nicht fokussieren, im Kopf nichts wegsortieren.
LiLo: Wer von Euch mag mir von seinem ersten Auftritt erzählen?
Mitja: Der erste Gig mit meiner ersten „richtigen“ Band „R(A)infall“ war im „Archiv“ in Potsdam. Am Anfang des Konzertes waren noch 3-4 Leute im Raum, nach 15 Minuten nur noch ein völlig betrunkener Hippie, der barfuß tanzte. Der zweite Gig war gleich als erste von 6 Bands in der riesigen Freilichtbühne in Berlin-Weißensee. Wir 3 waren komplett verloren auf dieser riesigen Bühne, haben uns kaum gesehen, geschweige denn gehört. Von „Monitor-Sound“ hatten wir vorher nie was gehört. Ich glaube, jede:r von uns drei hat was völlig unterschiedliches gespielt. Aber die Fans der zweiten Band (die „Marzahner Bierpunks“) haben uns großartig unterstützt. Und „Schnapsi“ von damals unterstützt uns auch heute noch regelmäßig.
Einer der besten „Bouletzz“ Gigs war meiner Meinung dann auch wiederum im „Archiv“ in Potsdam im Februar 2025. Diesmal ausverkauft mit „Blutiger Osten“ und „Kulturrotze“.
LiLo: Würdet ihr mir bitte noch berichten, dass Punk in Berlin lebendig ist?
Micha: Also wenn man manche Konzerte besucht … Nur alte Leute. Aber es gibt auch Hoffnung. Bands wie Antinorm oder die Verlierer ziehen auch ordentlich junges Publikum an.
Sylli: Punk für mich bedeutet unabhängig und frei im Denken, tolerant, bunt, laut, wild, verrückt, aber respektvoll im Tun. Menschlichkeit. Gegen Rassismus und Faschismus. kämpfen. Ich hab 2 Söhne, die sind eher spießig als Punk, frag mich einer was da los ist. Vor kurzem war ich im wild@heart in Kreuzberg bei einer Band, wo irre viele Jugendliche waren, das fand ich mega. Ich freu mich, auch wenn sie manchmal total durchgestylt auftreten, aber andere Generation…
LiLo: Habt ihr eine Location oder Festival, wo ihr wirklich gern mal auftreten wollt?
Mitja: „Back to Future“ und in meiner „zweiten Heimat“ Prag. Micha: Das Back to Future wäre toll. Sylli: Nö.. nicht wirklich, kleine Clubs und Festivals, Hauptsache Gigs! Ich hab noch bissl Bammel vor größeren Sachen und würde gern gute Aufnahmen und `ne Platte mit den Jungs machen. Das wäre echt toll.
LiLo: Was sind Eure Pläne für dieses Jahr?
Mitja: Ne Hochzeit sowie kleinere Festivals in Brandenburg und Sachsen sind in der Planung. Konzerte in Berlin und anderswo kommen sicher noch dazu. Und hoffentlich schaffen wir es endlich, ganz viele Songs aufzunehmen. Genug für eine ganze LP haben wir ja.
Infos & Kontakt
Kontakt: bouletzz.berlin@web.de
Merch: Shirts gibt es bei den Konzerten oder per Mail.
Label/Produzent: noch nix
Stream & Socials
Fotos & Infos: Bouletzz, Alwin Richter Fotografie
Versprochen. Heute keine Wortspiele. Wir sind sehr froh, dass die Band dies im Jahr 2014 selbst erledigt hat und vor dem Namen Beatbouletten bewahrt werden konnte. Politisch korrekt sein, sich selbst nicht so ernst nehmen und Texte aus dem Leben gegriffen – so beschreibt Sängerin Sylli die Band.
Die Crew
Lok-Micha – Bass: Gründer und letztes verbliebenes Gründungsmitglied, Bj.1965, aufgewachsen in Ost-Berlin. Spielt auch bei NanteAntinix.
Pitty – Gitarre: Bj.1965, hat ca. 2018 Christoph abgelöst. War früher bei: Bunte Trümmer, Swindlers, Bad AI! und Restroxxx zu hören.
Mitja – Trommelschlumpf: Bj. 1977, aufgewachsen in der Platte, Ost-Berlin. Hat Steffi (ex Beatsteaks) 2018 abgelöst. Früher bei R(A)infall (mit „Anarcho A“), Kraft durch Suppe, Uppercuts, Fickende Turnschuhe, derzeit noch bei „OT-Sauloch“ aktiv.
Sylke – Gesang: Seit Mai 2024 dabei.
„Hi ich bin Silly, eingesprungen unter Vorbehalt, als die bis dato Sängerin Sahra sich verabschiedet hat. Ich hatte nie die Idee auf einer Bühne zu stehen, aber Micha, der Bassist und mein Mann hat mich überredet. Dann bin ich einfach mal mit zur Probe. Gemeinsam Mucke zu machen, war so cool und hat allen so Spaß gemacht, dass ich wiederkommen wollte – bis heute. Meine Vorerfahrung beruht lediglich auf Singen unter der Dusche und regelmäßigen Besuchen von Konzerten, wo ordentlich mitgegrölt wird. Mein Baujahr…lass`ich mal weg, will doch keiner wissen!“

Bandgeschichte
Micha: Gegründet wurde die Band 2014 von mir und dem damaligen Schlagzeuger Struppi. Wir saßen im Noisy, da gabs Proberäume zum stundenweise mieten und überlegten, welchen Namen wir uns geben könnten. Da wir große Fans und Freunde von den Beatsteaks sind, waberte sowas wie Beatbouletten durch den Raum. Nebenan saß eine junge Frau, die wir vorher angesprochen hatten, ob sie nicht Gitarre bei uns spielen will. Sie spielte aber Bass, was uns nix nützte. Sie hörte unsere Diskussion und meinte Bouletzz ist doch schön. Fanden wir auch. Struppi hatte die Idee, wir müssten uns mit Doppel“z“ schreiben. Sieht besser aus. Da hatte er recht – und der Name war geboren.
Unser Stil ist melodischer Punkrock (Mädchenpunk wie ich immer so schön sage). Man fängt als Band immer irgendwie mit covern an, weil man seine Lieblingsstücke mal selber spielen will. Irgendwann ist das dann nicht mehr genug und man beginnt, eigene Texte zu schreiben und hat genauso viel Spaß. Mit Sylke am Gesang kommen unsere Einflüsse von Bands wie „Nichts“, Hansa-A-Plast und dazu ein Spritzer Nina Hagen.
Wie seid ihr im wilden Osten zum Punkrock gekommen?
Sylli: Ich bin groß geworden inmitten einer bunten Mischung aller Couleur, was die Einstellungen, Menschlichkeit, Parteizugehörigkeit und Systemtreue (oder auch nicht) betraf. Meine Eltern waren gegen das System der DDR, hatten viele Jahre einen Ausreiseantrag zu laufen, haben die ständige Vertretung besetzt. Mein Vater war in der Kirche mit einem Minijob angestellt und hat anders Schwarzkohle heimgebracht. Ich hab nicht schlecht gelebt in der DDR, hatte ein echt gutes, aufgeschlossenes und akzeptierendes, nicht verurteilendes Umfeld, auch in der Schule. Musikalisch war für mich alles cool, was nicht gern gesehen war, also Punkrock und für mich speziell DAILY TERROR. Alle Kumpels haben Hosen und Ärzte gehört, das war mir zu langweilig. Ich mochte es rotziger.
Ich durfte „dagegen“ sein, wogegen auch immer. Das war in der Pubertät nicht immer einfach, weil es auch langweilig ist, wenn man alles darf. Also war ich immer gezwungen, viel zu hinterfragen – im System damals und auch im System heute. Überall gabs und gibts gute Seiten, die ich heute vermisse oder auch heute nicht haben möchte. Ich war nie „no future“ oder „gegen alles“ oder „gegen das System“. Das war mir immer zu einfach und wenig übern Tellerrand geschaut. Also mach ich Texte aus Situationen heraus, die ich erlebe; im beruflichen, privaten oder Partykontext. Manchmal hab ich auch einfach nur`n Flitz im Kopf, woraus dann ein Text entsteht. Irgendwie alles nicht wirklich wild…aber eben ich.

Micha: Ich war 12. Mein Bruder 3 Jahre älter. Er brachte Kassetten aus der Schule mit, wo so Sexpistols etc. drauf waren. Wir schreiben das Jahr 1978. AC/DC noch ganz groß für mich mit Bon Scott. Gary Glitter, Sweet, Slade und Queen waren meine Favoriten. Und dann kam Punk.
Ich wollte immer Schlagzeug spielen, hatte aber nie die Gelegenheit gehabt, das auch mal zu machen. Mit Ende 40 habe ich mir einen billigen Bass gekauft und einen Kurs in der VHS belegt. Ich wollte zu meinem 50. Geburtstag meinen ersten Auftritt machen. Hat dann auch geklappt.
Mitja: Bei mir fiel das Gefühlschaos der Pubertät direkt mit der Wende in der DDR zusammen. Meine Eltern waren stramme SED-ler gewesen und auf einmal war alles, was vorher richtig war, falsch. Das hat mich voll überfordert und ich hab starke Depressionen bekommen. Allerdings gab es darauf zu Hause immer nur die Antwort: „Hab dich nicht so!“. Mein Vater war arbeitslos, den ganzen Tag zu Hause und hatte schlechte Laune („Wenn ich nach Hause komme, sitzt da so’n alter Typ, der sagt er wär mein Vater und ich glaub auch, dass er’s ist….“).
Ich bin klassisch über „Ärzte“ und „Hosen“ zum Deutschpunk gekommen. Die ganzen englischen Originale von den „Lokalmatadore“ und „Becks Pistols“ Songs und den „Hosen“ Coverversionen auf „Learning english“ kannte ich früher alle gar nicht. Ich hab mich viel draußen rumgetrieben und irgendwann ne Punk Clique kennengelernt. Und ab da hatte das Leben wieder einen Sinn für mich. Ich hab darüber auch nen Text namens „Punkrock saved my life“ geschrieben, der immer noch darauf wartet, vertont zu werden. Irgendwann wird es sicher soweit sein.

Zur Musik gekommen: Es waren die „Baseballschläger-Jahre“ Anfang der 90er in Ostberlin/Ostdeutschland und der Senat hatte dann irgendwann den Plan, dass es besser ist, wenn die Jugendlichen ihre Langeweile damit verbringen, Musik zu machen, statt sich die Köpfe einzuhauen. Etliche Jugendclubs wurden daraufhin mit Proberäumen ausgestattet und Semi-Profis als Musiklehrer eingestellt.
Da hab ich 1993 mit 15 Jahren angefangen, Gitarre und Schlagzeug zu lernen. Ich habe schnell gemerkt, dass beides gleichzeitig zu viel wird und gedacht, Gitarre spielen ja alle. Also habe ich mich dazu entschieden, beim Schlagzeug zu bleiben.
Übrigens sind durch diese geförderten Proberäume auch jede Menge Nazi-Bands in Ostberlin entstanden.
LiLo: Manchmal ist es glaub ich ganz schön anstrengend für die Bands. Also mit mir. Da will ich hier noch n Text und noch n Foto; dort noch ne Story und natürlich den Link zu „diesem einen“ Song…. Und jetzt kommts: Diesmal wurde extra „für mich“ einen Youtube Kanal erstellt. 😉 Voller Dankbarkeit und Stolz präsentiere ich Euch nun folgenden Song:
„Das hatten wir doch schon“.
Live im Freiraum/Berlin 26.1.26
Ich geh durch die Vorstadt im Dunkeln der Nacht, die Augen weit auf meine Angst ist erwacht. Komische Gestalten, die Zeichen an den Wänden, die Parolen die ihr ruft, vom Hass euch blenden.
Habt ihr nichts kapiert, Wollt ihr es nicht seh’n. Wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt geh’n?
Sie tun sich zusammen, wohnen mit uns Wand an Wand, leben unter uns und werden nicht erkannt. Gebt ihnen keinen Raum, ihre Lügen zu verbreiten, ihren Hass zu säen und andere zu verleiten.
Habt ihr nichts kapiert? Wollt ihr es nicht sehen, wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt gehen?
Die Angst geht um, all das hatten wir doch schon, wieder sagt keiner was, keiner stellt sich nach vorn. Drum steht jetzt mit uns auf, und schreit es laut heraus, euch rechtes Gesindel schmeißen wir jetzt raus.
Habt ihrs endlich kapiert, könnt ihr es jetzt sehn, wie sie mit Stiefeln und Fahnen im Gleichschritt gehn!?
In einer Welt voller Mitläufer und Narren, blind gehorchend, ohne zu hinterfragen. Von der Masse getragen, von der Macht verführt, niemals was gesagt, keinen Finger gerührt.
LiLo: Welcher Song bedeutet Dir/Euch am meisten?
Sylli: Unser neuester: ADHS. Eingefallen ist der mir nachts um 3 Uhr. Scheinbar geht Mittwochs nach der Probe bei mir im Kopf die ADHS- Lampe an und ich habe soviel Texte und Melodien im Kopf, dass ich nicht mehr schlafen kann. Also schnapp ich mir dann das Handy und quatsche oder singe lauter Textnachrichten hinein, weil ich mich am nächsten Tag daran nicht mehr erinnern kann.

Textauszug „ADHS“
Ein Sturm in meinem Kopf, der niemals ruht, Gedanken rasen, schneller als mein Blut. Chaos Ordnung, ein ewiger Kampf, Stille und Ruhe, für mich stets ein Kampf.
ADHS! Es ist Krieg in meinem Kopf, ein Feuer, das brennt und niemals stoppt, die ganze Nacht , den ganzen TAg, ein ewiger Kampf, den keiner mag.
Die Welt da draußen, dreht sich sacht, doch in mir, da tobt die Schlacht. Kann mich nicht fokussieren, im Kopf nichts wegsortieren.
LiLo: Wer von Euch mag mir von seinem ersten Auftritt erzählen?
Mitja: Der erste Gig mit meiner ersten „richtigen“ Band „R(A)infall“ war im „Archiv“ in Potsdam. Am Anfang des Konzertes waren noch 3-4 Leute im Raum, nach 15 Minuten nur noch ein völlig betrunkener Hippie, der barfuß tanzte. Der zweite Gig war gleich als erste von 6 Bands in der riesigen Freilichtbühne in Berlin-Weißensee. Wir 3 waren komplett verloren auf dieser riesigen Bühne, haben uns kaum gesehen, geschweige denn gehört. Von „Monitor-Sound“ hatten wir vorher nie was gehört. Ich glaube, jede:r von uns drei hat was völlig unterschiedliches gespielt. Aber die Fans der zweiten Band (die „Marzahner Bierpunks“) haben uns großartig unterstützt. Und „Schnapsi“ von damals unterstützt uns auch heute noch regelmäßig.
Einer der besten „Bouletzz“ Gigs war meiner Meinung dann auch wiederum im „Archiv“ in Potsdam im Februar 2025. Diesmal ausverkauft mit „Blutiger Osten“ und „Kulturrotze“.
LiLo: Würdet ihr mir bitte noch berichten, dass Punk in Berlin lebendig ist?
Micha: Also wenn man manche Konzerte besucht … Nur alte Leute. Aber es gibt auch Hoffnung. Bands wie Antinorm oder die Verlierer ziehen auch ordentlich junges Publikum an.
Sylli: Punk für mich bedeutet unabhängig und frei im Denken, tolerant, bunt, laut, wild, verrückt, aber respektvoll im Tun. Menschlichkeit. Gegen Rassismus und Faschismus. kämpfen. Ich hab 2 Söhne, die sind eher spießig als Punk, frag mich einer was da los ist. Vor kurzem war ich im wild@heart in Kreuzberg bei einer Band, wo irre viele Jugendliche waren, das fand ich mega. Ich freu mich, auch wenn sie manchmal total durchgestylt auftreten, aber andere Generation…
LiLo: Habt ihr eine Location oder Festival, wo ihr wirklich gern mal auftreten wollt?
Mitja: „Back to Future“ und in meiner „zweiten Heimat“ Prag. Micha: Das Back to Future wäre toll. Sylli: Nö.. nicht wirklich, kleine Clubs und Festivals, Hauptsache Gigs! Ich hab noch bissl Bammel vor größeren Sachen und würde gern gute Aufnahmen und `ne Platte mit den Jungs machen. Das wäre echt toll.
LiLo: Was sind Eure Pläne für dieses Jahr?
Mitja: Ne Hochzeit sowie kleinere Festivals in Brandenburg und Sachsen sind in der Planung. Konzerte in Berlin und anderswo kommen sicher noch dazu. Und hoffentlich schaffen wir es endlich, ganz viele Songs aufzunehmen. Genug für eine ganze LP haben wir ja.
Infos & Kontakt
Kontakt: bouletzz.berlin@web.de
Merch: Shirts gibt es bei den Konzerten oder per Mail.
Label/Produzent: noch nix
Stream & Socials
Fotos & Infos: Bouletzz, Alwin Richter Fotografie